Die Flensburger Gilde e.V.

Oder wie man die Flensburger Kaufleute unter einen Hut bringen könnte

Es darf zu Recht davon ausgegangen werden, dass  Herrmann Hesse, als er das Zitat aussprach „Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen.“, nicht notwendigerweise die erfolgreiche Vermarktung und Außendarstellung Flensburgs sowie die gleichzeitige Interessenvertretung Flensburger Kaufleute im Sinn hatte. Ganz gewiss hätte er als Außenstehender aber schon nach sehr kurzer Zeit erkannt, dass es innerhalb der heutigen Institutionen, die sich mit diesen Themen beschäftigen, zwar viel guten Willen und Engagement gibt, die gewünschten Erfolge jedoch unter gegebenen Rahmenbedingungen auch auf längere Sicht nicht erreicht werden können.

Wenden wir uns mal einen Moment lang davon ab, dass auf Grund der Historie vieler paralleler Initiativen mit individuellen Hintergründen die Situation festgefahren sein könnte und beschäftigen uns kurz mit dem Idealzustand, auch wenn dieser noch so unrealistisch erscheint. Das Rezept für eine erfolgversprechende Ausgangssituation ist nämlich zumindest in der Theorie in drei leicht verständlichen Punkten relativ einfach zu beschreiben, immer vorausgesetzt, dass man ganz von vorn anfangen kann und die Initiative von Kaufleuten und Unternehmern ausgeht.

  1. Es muss sich eine hinreichende Anzahl von Kaufleuten finden, die sich auf gemeinsame Ziele einigen können.
    Alles beginnt mit der Definition der Interessengleichheit als kleinstem gemeinsamer Nenner, um die persönlichen (kommerziellen) Ziele zu erreichen. Übergeordnete Ziele werden damit quasi automatisch erreicht. Es sollte dabei allerdings berücksichtigt werden, dass diese Ziele messbar und nachvollziehbar sein sollten.  Allgemeinplätze haben hier keinen Platz.
  2. Die Institution muss selbst tragend sein
    Die Stärke einer Interessenvertretung hängt nicht allein von ihrer Mitgliederzahl ab, sondern insbesondere davon, inwieweit sie in der Lage ist, ihre Interessen gegenüber anderen durchzusetzen. Die andere Seite wird in aller Regel immer die Stadt Flensburg sein. Es schließt sich daher quasi aus, dass man finanzielle Unterstützung der Stadt Flensburg in Anspruch nimmt und gleichzeitig als Bittsteller in Verwaltungsangelegenheiten auftritt. Es liegt in der Natur der Sache, dass es zwischen der Stadt Flensburg und den Kaufleuten immer Zielkonflikte geben wird. Die Institution muss sich daher aus eigener Kraft in Form eines solidarischen Beitrags aller Mitglieder selbst tragen können.
  3. Die Institution muss unabhängig sein
    Die Stadt Flensburg, die IHK oder auch die Handelskammer sind immer allen Bürgern bzw. Mitgliedern gegenüber in gleicher Weise verpflichtet und zur Unabhängigkeit aufgerufen. Daher eignen sich diese Institutionen in keiner Weise als Träger einer Interessengemeinschaft für Kaufleute. Die Interessenvertretung benötigt daher ein Organ, das auch ohne Rücksicht auf die Interessen Dritter Stellung beziehen kann, ohne dabei die Grundsätze des fairen Umgangs miteinander zu verletzen.

Kehren wir nun also wieder zurück in die Flensburger Wirklichkeit, in der ein undurchschaubares Geflecht von Institutionen und persönlichen Beziehungen herrscht. Es stellt sich eigentlich gar nicht die bereits so häufig diskutierte oder gestellte Frage, ob das nun alles falsch sei, oder ob man diesen gordischen Knoten nicht einfach durchschlagen sollte, um Platz für etwas Neues zu schaffen. Es stellt sich vielmehr die Frage, wem es gelingt, das Vertrauen der Mehrheit aller Beteiligten zu erlangen, um auf diese Weise ohne gravierende Einschnitte, Reformen oder tiefgreifender Umwälzungen den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden.

Die IG Die Große e.V. hat hierfür bereits 2009 einen Vorschlag konzipiert, der bei anderen Interessengemeinschaften schon auf Unterstützung und Zustimmung getroffen ist. Obwohl der Name des Vereins eine geografische Beschränkung enthält, bestehen seit der Gründung im Jahr 2005 bereits heute sehr viele Mitgliedschaften von Kaufleuten, die ihr Geschäft nicht in der Großen Straße betreiben, sondern an anderer Stelle in Flensburg oder im angrenzenden Umland. Wiederum treten andere Kaufleute dem Verein, obwohl sie sich mit den handelnden Personen und Inhalten identifizieren, eben aus der genannten geografischen Beschränkung im Namen nicht bei. Daher lag es nahe, über eine Namensänderung nachzudenken und in diesem Zuge den Versuch zu wagen, eine Plattform für die anderen Interessengemeinschaften anzubieten. So ist die Idee entstanden, die „IG Die Große e.V.“ in „Flensburger Gilde e.V.“ umzubenennen. In vielen Gesprächen hat sich die Vermutung bestätigt, dass es eine weitaus größere Identifikation mit gemeinsamen Interessen unter diesem Namen geben kann. Darüber hinaus bestand von Beginn an die Idee, die bereits bestehenden Interessengemeinschaften als Mitglied aufzunehmen, statt jedes einzelne Mitglied abzuwerben und die „alten“ Interessengemeinschaften aufzulösen. Diese Vielfalt ist gewollt und erhaltenswert.

Den Initiatoren der Flensburger Gilde geht es darum, einen Rat zu gründen, der aus Vertretern der beteiligten Interessengemeinschaften besteht, das wird bereits heute durch gelebte Praxis belegt. Die Initiative der Stadt Flensburg, gemeinsam mit der IHK eine Art Dachorganisation zu gründen, wird aus prinzipiellen und bereits genannten Gründen abgelehnt. Auch die Grundlage für einen regelmäßigen Dialog zu diesem Thema ist aus Sicht des Vorstands und der Geschäftsführung der heutigen IG Die Große nicht gegeben, solange keine schlüssigen Gründe und Konzepte für dieses Konstrukt vorliegen.

Flensburg mit seiner deutsch-dänischen Geschichte ist eine Perle der Region, die entsprechend Ihrer Bedeutung für das ganze Umland nicht zum Spielball politischer Kräfte werden darf. Eine starke Interessengemeinschaft ökonomisch und ökologisch motivierter Unternehmer und Kaufleute ist daher aus Sicht der Initiatoren der beste Garant für eine nachhaltige positive wirtschaftliche und touristische Entwicklung der Region. Die Flensburger Gilde steht dafür ein.