
Es darf zu Recht davon ausgegangen werden, dass Herrmann Hesse, als er das Zitat aussprach „Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen.“, nicht notwendigerweise die erfolgreiche Vermarktung und Außendarstellung Flensburgs sowie die gleichzeitige Interessenvertretung Flensburger Kaufleute im Sinn hatte. Ganz gewiss hätte er als Außenstehender aber schon nach sehr kurzer Zeit erkannt, dass es innerhalb der heutigen Institutionen, die sich mit diesen Themen beschäftigen, zwar viel guten Willen und Engagement gibt, die gewünschten Erfolge jedoch unter gegebenen Rahmenbedingungen auch auf längere Sicht nicht erreicht werden können.
Wenden wir uns mal einen Moment lang davon ab, dass auf Grund der Historie vieler paralleler Initiativen mit individuellen Hintergründen die Situation festgefahren sein könnte und beschäftigen uns kurz mit dem Idealzustand, auch wenn dieser noch so unrealistisch erscheint. Das Rezept für eine erfolgversprechende Ausgangssituation ist nämlich zumindest in der Theorie in drei leicht verständlichen Punkten relativ einfach zu beschreiben, immer vorausgesetzt, dass man ganz von vorn anfangen kann und die Initiative von Kaufleuten und Unternehmern ausgeht.
Kehren wir nun also wieder zurück in die Flensburger Wirklichkeit, in der ein undurchschaubares Geflecht von Institutionen und persönlichen Beziehungen herrscht. Es stellt sich eigentlich gar nicht die bereits so häufig diskutierte oder gestellte Frage, ob das nun alles falsch sei, oder ob man diesen gordischen Knoten nicht einfach durchschlagen sollte, um Platz für etwas Neues zu schaffen. Es stellt sich vielmehr die Frage, wem es gelingt, das Vertrauen der Mehrheit aller Beteiligten zu erlangen, um auf diese Weise ohne gravierende Einschnitte, Reformen oder tiefgreifender Umwälzungen den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden.
Die IG Die Große e.V. hat hierfür bereits 2009 einen Vorschlag konzipiert, der bei anderen Interessengemeinschaften schon auf Unterstützung und Zustimmung getroffen ist. Obwohl der Name des Vereins eine geografische Beschränkung enthält, bestehen seit der Gründung im Jahr 2005 bereits heute sehr viele Mitgliedschaften von Kaufleuten, die ihr Geschäft nicht in der Großen Straße betreiben, sondern an anderer Stelle in Flensburg oder im angrenzenden Umland. Wiederum treten andere Kaufleute dem Verein, obwohl sie sich mit den handelnden Personen und Inhalten identifizieren, eben aus der genannten geografischen Beschränkung im Namen nicht bei. Daher lag es nahe, über eine Namensänderung nachzudenken und in diesem Zuge den Versuch zu wagen, eine Plattform für die anderen Interessengemeinschaften anzubieten. So ist die Idee entstanden, die „IG Die Große e.V.“ in „Flensburger Gilde e.V.“ umzubenennen. In vielen Gesprächen hat sich die Vermutung bestätigt, dass es eine weitaus größere Identifikation mit gemeinsamen Interessen unter diesem Namen geben kann. Darüber hinaus bestand von Beginn an die Idee, die bereits bestehenden Interessengemeinschaften als Mitglied aufzunehmen, statt jedes einzelne Mitglied abzuwerben und die „alten“ Interessengemeinschaften aufzulösen. Diese Vielfalt ist gewollt und erhaltenswert.
Den Initiatoren der Flensburger Gilde geht es darum, einen Rat zu gründen, der aus Vertretern der beteiligten Interessengemeinschaften besteht, das wird bereits heute durch gelebte Praxis belegt. Die Initiative der Stadt Flensburg, gemeinsam mit der IHK eine Art Dachorganisation zu gründen, wird aus prinzipiellen und bereits genannten Gründen abgelehnt. Auch die Grundlage für einen regelmäßigen Dialog zu diesem Thema ist aus Sicht des Vorstands und der Geschäftsführung der heutigen IG Die Große nicht gegeben, solange keine schlüssigen Gründe und Konzepte für dieses Konstrukt vorliegen.
Flensburg mit seiner deutsch-dänischen Geschichte ist eine Perle der Region, die entsprechend Ihrer Bedeutung für das ganze Umland nicht zum Spielball politischer Kräfte werden darf. Eine starke Interessengemeinschaft ökonomisch und ökologisch motivierter Unternehmer und Kaufleute ist daher aus Sicht der Initiatoren der beste Garant für eine nachhaltige positive wirtschaftliche und touristische Entwicklung der Region. Die Flensburger Gilde steht dafür ein.